Gesundheit & Lifestyle

Warum der Minimalismus nicht für jeden funktioniert

Alle misten gerade wie bekloppt aus. Alles! Klamotten, Deko, Möbel, you name it. Der beste Beweis dafür ist Ebay Kleinanzeigen. Versuch da mal, etwas loszuwerden! War man früher noch super dankbar, wenn etwas zu Verschenken an Selbstabholer angeboten wurde, so bleibt man heutzutage gern auf den Sachen sitzen, egal wie hochwertig und gut in Schuss sie noch sind. Der Markt wirkt übersättigt.

Wahrscheinlich das Ergebnis der wilden Ausmisterei um einen herum. Zahlreiche Bücher zu dem Thema (zum Beispiel „Magic Cleaning“ von Marie Kondo) sind gerade in den letzten Jahren immer populärer geworden, und ich muss gestehen, auch ich habe mir ein paar durchgelesen. Und war total beeindruckt! Wie befreiend muss das sein. Natürlich blieb das nicht ohne Auswirkungen.15965174_10154058202321898_8153703945706072018_n Ich habe auch aussortiert. Jede Menge! Ich bin richtig systematisch vorgegangen, habe mir jede Woche einen Teil der Wohnung vorgenommen. Sogar der Kleiderschrank mit seinen unendlichen Tiefen kam dran.

  • CDs und DVDs wurden auf Plattformen wie Rebuy oder Momox verkauft.
  • Bücher wurden verkauft und verschenkt.
  • Kosmetik verschenkt oder aufgebraucht.
  • Geschirr und Deko aussortiert und verschenkt.
  • Ordner, Papiere, Bürozeugs ausgemistet und weggeworfen.
  • Klamotten bei Kleidertasch-Aktionen verschenkt oder auf Plattformen zum Verkauf angeboten.

Ich habe alles versucht, nur keinen Flohmarkt. Ja, es ist alles leerer geworden. Ja, alles, was ich habe, mag ich wirklich. Ja, es ist leichter geworden aufzuräumen. Und nun kommt das große ABER: Aber ich habe angefangen, so einiges zu vermissen. Hin und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich Dinge suche, und dann meint mein Ehemann: Aber du hast es doch Julia/Jessi/Jocy/Brenda/deiner Mutter geschenkt.

Ich hatte sie aussortiert, weil ich sie halt über ein Jahr nicht gebraucht hatte, so wie es in den Büchern stand. Und dann merkte ich, dass viele Dinge für mich kein Gebrauchsgegenstand sind, die gebraucht werden müssen. Oder doch, aber dann nicht in ihrem eigentlichen Sinn, sondern als Erinnerungsspeicher. Ich will keine großen Luxussymbole sammeln, sondern Erinnerungen. Ich möchte ganz viele Dinge mit meinen Lieben erleben und mich immer wieder daran erinnern.

Klar, vielleicht braucht man dafür keine Erinnerungsstücke, es kommen sicherlich viele ohne sie aus. Aber ich finde es einfach schön, die Bommelmütze zu sehen, die ich beim Heiratsantrag aufhatte. Die Vase auf dem Tisch zu sehen, die meine Großtante schon auf dem Tisch stehen hatte. In der Küche einen Zwiebeltopf und einen Brotkorb mit leeren Gewürzschubladen, auch wenn sie nicht benutzt werden, stehen zu haben, der schon bei meiner Oma in der Küche stand. Und ja, dann muss ich einen Gegenstand mehr hochheben, wenn ich staubwische. Das kostet mich dann vielleicht um die sieben Sekunden. Sieben Sekunden, in denen ich meiner Omi ein Hallo und ein Lächeln schicken kann.

img_20180214_154913.jpg

Please follow and like us:

10 Gedanken zu „Warum der Minimalismus nicht für jeden funktioniert

  1. Ich versuche auch immer Auszumisten, schaffe es aber irgendwie nie. Meistens denke ich mir „Das hast du Jahre nicht gebraucht, das kann eigentlich weg“ – Aber dann kommt die Stimme wieder „Aber irgendwann wirst du es suchen“

    Wo ich aber jedes Jahr wirklich ausmiste, ist Klamotten. Alles was ich über Jahre nicht getragen habe, wird aussortiert oder zu den „Garten-Handwerks-Arbeitskleidung“ gelegt.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

  2. Ich bin auch einerseits begeistert vom Minimlismus, hänge andererseits aber total an meinen Sachen. An vielen hängen einfach so viele schöne Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.
    Das mit ebay ist mir übrigens auch schon aufgefallen, wir versuchen momentan unser Sofa zu verkaufen, schwierige Angelegenheit…
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

  3. Ein super Beitrag! Immer wenn ich solche Beiträge lese, beginne ich wie verrückt auszumisten … und irgendwann wünsche ich mir dann vor allem Erinnerungsstücke zurück und es ist zu spät 🙁 …

    Liebe Grüße
    Verena

  4. Ein toller Beitrag. Wie wunderbar zu lesen, dass es nicht immer alles so „aufgeräumt“ sein muss. Mir geht es genauso. Ich liebe manchmal unser Haus sehr, wenn es etwas unaufgeräumt ist, wenn viele kleine Dinge herumstehen, dann ist da Leben drin und viele Erinnerungen. So schön.
    Viele herzliche Grüße
    Anja von https://pinkshape.de

  5. Ein super Beitrag!
    Und du hast recht! Tatsächlich liest man zurzeit immer und überall von Minimalismus Challenges und ja auch ich fühle mich dann immer motiviert, auch auszumisten.
    Aber ich bin da ähnlich gestrickt wie du. An manchen Dingen hängen einfach Erinnerungen und ich möchte mich davon einfach nicht trennen.
    Ich versuche einen Mittelweg zu finden und da ich kein Messi bin, ist es auch nicht so tragisch, wenn meine Schmusedecke aus Kindheitstagen im Schrank aufbewahrt wird, weil man damit schöne Zeiten verbindet, denke ich 😉

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

  6. Ich verstehe dich nur zu gut. Ich miste auch gerne mal aus, allerdings gibt es so viele Dinge, an denen dann schöne Erinnerungen hängen. Da ist es mir egal, wenn ich die nicht mehr trage oder nutze. Ich sehe sie trotzdem noch gerne und wenn das nur einmal im Jahr beim Durchwühlen alter Kisten ist. Bei Kleidung gibt es ja außerdem immer wieder das Phänomen, dass die Sachen, die man vor zwei Jahren aussortiert hat, einem plötzlich wieder gefallen.

    Liebe Grüße
    Hanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.